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17.10.2016
Abenteuer: Sein eigener Chef sein, Artikel aus dem Coburger Tageblatt vom 13.10.2016

Abenteuer: Sein eigener Chef sein

Carolin Bertges hat vor fünf Jahren ihre Zukunftspläne umgekrempelt, um den elterlichen Betrieb weiterzuführen. Was ihre Entscheidung mit Schmetterlingen im Bauch zu tun hat, verrät sie der Wirtschaftsjuniorin Cindy Schaschek. <figure id="bildbox"> <figcaption class="links">

Carolin und Florian Bertges führen den elterlichen Betrieb.

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Carolin und Florian Bertges führen den elterlichen Betrieb.  Foto: privat

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Seit fünf Jahren ist Carolin Bertges ihre eigene Chefin - gemeinsam mit ihrem Ehemann Florian. Beiden ist wichtig, dass Ziele nicht mit der Brechstange durchgesetzt werden und der Puls des Unternehmens gewahrt wird.

Wessen Geschäfte führen Sie weiter?
Carolin Bertges: Mein Mann (41) und ich (40) sind in die Fußstapfen meiner Eltern getreten. Wir führen unser Familienunternehmen, die Bittner Werkzeugbau und Stanzerei GmbH. Wir stellen Werkzeuge und Stanzbiegeteile aus Metall vor allem für die Automobilindustrie und Haus- und Elektroindustrie her und beliefern Kunden von Dörfles-Esbach aus.

Wie passt Ihre Ausbildung zum übernommenen Geschäft?
Mit meinem betriebswirtschaftlichen Studium und der Tätigkeit im Personalbereich sowie der Promotion meines Mannes im Bereich Politik bei der Bundeswehr war es nicht unbedingt naheliegend, in den metallverarbeitenden Betrieb einzusteigen. Mein Mann sagt immer, er sei jetzt Werkzeugmacher auf dem zweiten Bildungsweg. Für mich ist es nach wie vor faszinierend, unter welchen Voraussetzungen sich Stahl verformen lässt.

Wann haben Sie die Nachfolge angetreten?
Wir sind seit 2009 wieder in Coburg und haben 2011 den Betrieb übernommen. Mein Vater ist nach wie vor unser technischer Guru. Er und meine Mutter können uns mit ihren Erfahrungen und vor allem ihrem Bauchgefühl oft weiterhelfen.

War es eine schwierige Entscheidung oder schon immer klar?
Eigentlich fühlten mein Mann und ich uns in München in unseren Positionen wohl. Wir konnten beide durch die Jobs die Welt entdecken. Ein Schicksalsschlag, der Tod meines Bruders, warf zu Hause in Coburg im elterlichen Werkzeugbaubetrieb die Perspektiven durcheinander. Geplant war, dass mein Bruder den Betrieb nach seinem Maschinenbaustudium übernimmt. Nach einem längeren Entscheidungsprozess war klar, wir nutzen ein Jahr Elternzeit als Testphase: Wie ist es in einem kleinen Betrieb mit damals 12 Mitarbeitern? Können wir uns vorstellen, diesen Betrieb langfristig als "Chefs" zu führen? Und wie ist es wieder zurück in die Kleinstadt Coburg zu kommen?

Welche Herausforderungen galt es zu bewältigen?
Da sind auf der einen Seite die rechtlichen Voraussetzungen, die geprüft und klar durchgesprochen werden müssen. Auf der anderen Seite sollte zwischen dem Übergebenden und Übernehmenden eine offene Aussprache hinsichtlich Befürchtungen, Erwartungen und ähnlichem erfolgen. Wenn hier bereits im Persönlichen etwas im Argen ist, dann wird eine erfolgreiche Übernahme aus meiner Sicht ungleich schwerer. Auch die Rolle und das Mitspracherecht des Übergebenden sollte klar definiert sein.


Was macht eine erfolgreiche Nachfolge aus?
Geduld, Fleiß und Offenheit, Respekt dem Altbewährten gegenüber - und man muss Überzeugungsarbeit leisten können. Den Puls des Unternehmens annehmen und nicht glauben, man kann ad hoc dran drehen, zum Beispiel von zwölf Mitarbeitern direkt auf 50 wachsen.

Welche Dinge, die man gerne vergisst, sollte man beachten?
Rechtliche Voraussetzungen schaffen, frühzeitig mit den Mitarbeitern und Kunden kommunizieren. 2009 stiegen wir mitten in der Automobilkrise ein. Als gesundes, fremdkapitalfreies Unternehmen war dies für uns zum Glück nicht so ein Riesenproblem wie für überschuldete Unternehmen. In diesem Zuge haben wir unsere Pläne bezüglich schnellen Wachstums schnell beiseite gelegt.

Welche Eigenschaften sollte ein Nachfolger mitbringen?
Ein Nachfolger sollte sich klar werden, welche Verantwortung er hat und welche psychischen und physischen Belastungen auftreten können und ausgehalten werden müssen. Für uns ist die Selbstständigkeit ein beständiger Prozess zwischen Schmetterlingen im Bauch und nächtlicher Schlaflosigkeit, wenn einen berufliche Herausforderungen in den Schlaf begleiten.

War die Nachfolge für Sie die richtige Entscheidung?
Wir sind durch den gesunden und stetigen Wachstum in unserem Unternehmen in der Entscheidung und unserem Weg bestärkt worden. Auch die Familie profitiert: Waren wir in München oft getrennt und beruflich viel unterwegs, sind wir nun unsere eigenen Herren und können bei wichtigen Schulaufführungen der Kinder auch unsere Termine entsprechend anpassen. Das bedeutet dann auch mal Mehrarbeit am späten Abend, aber dafür war man bei wichtigen Dingen der Kinder dabei.

Welchen Tipp möchten Sie künftigen Nachfolgern mit auf den Weg geben?
Lass Dich nicht abschrecken, sondern gehe positiv an das Gestalten der eigenen Zukunft an. Dabei gibt es viele, die einem helfen können: Wir haben positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit IHK und HWK, den Wirtschaftsförderungen und der Agentur für Arbeit gemacht. Wer die Komfortzone verlässt und sich auf das Abenteuer einlässt, findet hier viele Unterstützer und Berater.

biTTner Werkzeugbau GmbH      Industriestraße 6      96487 Dörfles-Esbach      Deutschland      Phone: +49 9561 795593-0      Fax: +49 9561 795593-9      E-Mail: info@bittpro.de